Ich bin jetzt genau seit 4 Wochen in Jujuy, aber mir kommt das schon wie eine Ewigkeit vor. Seit dem letzten Blog-Eintrag ist viel passiert: das erste mal Asado grillen mit meiner Gastfamilie, 2 Wochen richtige Projektarbeit, Abschiedsfeiern unserer Vorgaenger, Kennenlernen vieler neuer Leute und viele Gespraeche mit Einheimischen ueber die Stadt und die Kultur.
Fangen wir mit dem Asado grillen an. Viele sagen, dass es in Argentinien gutes Fleisch gibt. Ich sage, dass das nicht stimmt. Das Fleisch ist nicht gut, es ist goettlich. Es ist ein Wunder von Genuss, ein Paradies mit 70 Jungfrauen, man koennte dafuer sterben, wenn man sich sicher waere, dass es nach dem Tod noch mal die Moeglichkeit gibt, argentinsiches Fleisch essen zu koennen. Asado ist das unantastbare Argument, nicht Vegetarier sein zu koennen. Man muss sich das so vorstellen: schon frueh am Sonntagmorgen quaelt sich Papa Grillmeister unter groesstvorstellbarer Anstrengung und manchmal sogar mit Schmerzenstraenen auf den runden Wangen aus dem Bett, um die ersten Vorbereitungen fuer das wunderbarste aller kulinarischen Wunder zu treffen. Dann schleppt er sich mit samt seinem Baeuchlein in den Garten und folgt seinen menshclichen Urinstinkten. Nein, er pinkelt nicht ins Gebuesch, sondern er macht ein Feuer. Dann steht er da mit schweissnasser Stirn und einem Stock in der Hand, um damit gelegentlich in der heissen Kohle rumzuruehren, sie umzuschichten, sie zu verteilen und auf die exakte Temperatur zu bringen, die ein Asado-Steak braucht, um so argentinisch wuerzig zu schmecken und so zart gesalzen wie eine Traene auf dem Popo von Jennifer Lopez. Das allein zeugt schon von der Liebe und Hingabe von Papa Grillmeister zu seinem fetten noch blutigen Klumpen Fleisch, den er von nun an den Rest des Tages pflegen, wenden, wuerzen und verzehren wird. An einem solchen Tag leuchten die Augen von Papa Grillmeister so hell, dass man auch nach Sonnenuntergang nicht die Gartenbeleuchtung anschalten braucht ( der Begriff „Papa Grillmeister“ ist universell: jeder maennlicher Argentinier ist automatisch Grillmeister und meistens auch Papa, gewollt oder ungewollt). Sobald er dann das Fleisch auf den Grill gelegt hat, und der suesse Duft in die Zimmer der restlichen Familienmitglieder zieht, wachen diese auf und bereiten den „Rest“ vor. Ausser dem Tisch decken und eine kleine Schuessel Salat anrichten ist das jedoch nicht wirklich viel, denn wenn der Argentinier Asado ist, dann wird oft auch der Ausdruck „carne con carne“ (Fleisch mit Fleisch) verwendet, um zu unterstreichen, was wirklich wichtig ist. Die Mini-Schuessel Salat bleibt meistens voll, weil man sonst weniger Platz fuer das Asado hat. Und wer schon mal Asado gegessen hat, der weiss, dass das ein durchaus logisches Argument ist.
Gleucklicherweise hat mir meine Gast-Familie auch gezeigt, was das ist, Asado grillen. Ein kleines Familienfest, was den ganzen Tag dauert. Es gibt keine bessere Moeglichkeit jemanden tiefgruendig kennenzulernen, als beim Asado essen, denn man sitzt quasi den ganzen Tag lang beisammen und redet und isst und wartet, dass der Magen Signal gibt, weiterverdauen zu koennen. Eine authentischere Atmosphaere kann ich mir kaum vorstellen. Wenn man also etwas ueber die Menschen und die Kulur in Argentinien erfahren moechte, muss man sich zum Asado essen einladen lassen. Und dann gilt: Geniessen und lernen.
So, da ich fuer ein einziges Thema wieder so viel Buchstaben gebraucht habe, fange ich lieber gar nicht mit dem naechsten Thema an. Das gibts dann beim naechsten Mal. Und zwar auch mal ein paar negative Eindruecke von hier, denn grenzenlos begeistert von Jujuy bin ich ehrlich gesagt nicht. Aber wer ist das schon von irgendeinem Ort? Das waere doch schon ein bisschen sehr blauaeugig… (Die meiste Zeit fuehle ich mich hier aber ziemlich wohl
)
liebe Gruesse,
euer Mario